Mein Traum

Mein Traum: eine kleine, positive Emotion, mit der man einen Moment lang seine Arbeit vergisst.

In jenen Jahren sprach ich mit Professor Max Lüscher, dem großen Forscher zu Formen und Farben, der in der Schweiz auch „Farben-Lüscher“ genannt wird. Er selbst und auch einige andere Professoren wie Spiegel und Koeber-Riel halfen mir dabei zu verstehen, dass ein Kaffee, der auf unsere italienische Art stehend im Café schnell betrunken wird, in Wirklichkeit einen kurzen Moment der Entspannung bietet. Lüscher erklärte mir folgendes: Wenn wir arbeiten, ist unser sympathisches Nervensystem aktiv, und wenn dieses System „arbeitet“, kann das andere, sogenannte parasympathische Nervensystem, das für den Zustand der Entspannung verantwortlich ist, nicht einschreiten. Der Übergang von der Tätigkeit mit seiner Arbeitsdynamik zur Entspannung kann nur geschehen, wenn das sympathische Nervensystem wegtritt, um dem parasympathischen System Platz zu lassen. Dieser Prozess kann etliche Minuten dauern. Nach Lüscher ist daher die Kaffeepause eine außergewöhnliche Gelegenheit zum Entspannen, während das sympathische Nervensystem tätig ist; er nannte es eine „introspektive Pause“.

Seine Gedanken schienen mir recht logisch, aber gleichzeitig wusste ich, dass wir Italiener in die Bar gehen, um einen Kaffee zu trinken, vielleicht mit der Absicht, diesen Moment der Entspannung zu genießen; aufgrund der Hektik des modernen Lebens sind wir gleichzeitig jedoch nicht in der Lage, diesen Moment zu genießen. Ich stellte mir einen Anwalt vor, der aus seiner Kanzlei ins Café geht, um seinen Espresso zu trinken, und der dabei überhaupt nicht in der Lage ist, sich von dem Vertrag zu lösen, an dem er gerade arbeitet… und doch meint Spiegel, dass gerade diese Pausen, bei denen die Gedanken von den Dingen, an denen wir arbeiten abgelenkt werden, von grundlegender Bedeutung sind, da sie es unserem Unterbewusstsein erlauben, seine Gedanken auszudrücken.

Spiegel vergleicht unser Bewusstsein mit einem Flaschenhals, der die unbewussten Gedanken daran hindert, sich auszudrücken. Er empfiehlt daher während der Arbeit entspannende Momente einzuplanen, da sich so das Unbewusste ausdrücken kann. Ich sah in der Kaffeepause die Möglichkeit, meinen Kunden diesen kurzen Augenblick der Entspannung zu schenken.

Aber es kam mir auch der Anwalt in Erinnerung; ich fragte mich, wie ich ihn „ablenken“ könnte.
Paolo Rossetti schuf eine Tasse, deren Griff die Form eines Ohrs hatte. Vor mir sah ich meinen Anwalt, wie er in seinen Vertrag vertieft den Griff in die Hand nahm, und dass er mit seinen Fingern fühlte, dass dieser Griff anders war. Ich sah ihn neugierig den Griff betrachten, bemerken, dass es ein Ohr war und dann in Lachen ausbrechen: Dieses Lachen würde mein großer Erfolg sein, weil er in diesem Moment, in dem er lachte, seinen Vertrag vergessen würde, und sein Unbewusstes seine Arbeit beginnen könnte, so wie es Spiegel empfahl!

Die Dekors meiner Espressotassen sollten ein einfaches „Liebeszeugnis“ werden; durch den Anblick könnten die Menschen eine kleine positive Emotion erfahren, und könnten sich von den bewussten Gedanken des Moments wie dem Vertrag meines Anwalts abkoppeln. Dieses wollte ich mit meinen Künstlertassen erreichen, und ich denke, es hat funktioniert.